Selbstverständnis

Der Verein „Zugvögel, interkultureller Süd-Nord-Austausch e.V.“ versteht sich als politische Organisation, die postkoloniale, das heißt seit der Kolonialzeit historisch gewachsene Machtungleichgewichte, thematisiert.

Unsere Arbeit besteht vor allem aus zwei wichtigen Aspekten – der partnerschaftlichen Organisation von Süd-Nord-Freiwilligendiensten, sowie der politischen Auseinandersetzung. Gemeinsam mit den Partnerstrukturen „Aves de paso“ (Ecuador), „Beyond Nepal“ (Nepal), „Akanyoni Kaguruka“ (Ruanda) und „Ts'ununetik“ (Mexiko) organisieren wir einjährige Freiwilligendienste für junge Menschen in Deutschland. Die politische Auseinandersetzung unseres Vereins beginnt mit kritischer Selbstreflexion. Durch verschiedene öffentliche Veranstaltungen im Themenbereich postkoloniale Strukturen möchten wir den politischen Diskurs mitgestalten. Wir verfolgen damit das Ziel im kleinen Rahmen Veränderungen auf gesamtgesellschaftlicher und politischer Ebene anzustoßen.

Wir sind der Überzeugung, dass im Kontext des Kolonialismus etablierte Machtverhältnisse bis heute bestehen und daher kritisch betrachtet werden müssen. Diese äußern sich unter anderem in der Tatsache, dass es der Mehrheit der Menschen verwehrt wird, sich global frei zu bewegen. Durch ihre Freiwilligenarbeit in Deutschland überwinden junge Menschen aus dem Glossary Link Globalen Süden in vielerlei Hinsicht Grenzen. Der Begriff Glossary Link Globaler Süden ist nicht im geographischen Sinne, sondern als soziopolitische Einteilung zu verstehen. Ein weiterer Aspekt, wie sich Machtverhältnisse widerspiegeln und verfestigen, ist der gängige Entwicklungsdiskurs. Dieser ist geprägt durch die Reproduktion von rassistischen Bildern. Er wird aufrechterhalten, indem Vorstellungen von „entwickelten“ und „unterentwickelten“ Ländern konstruiert werden, wobei der Globale Norden davon profitiert, diese definieren zu können. Zugänge zu Ressourcen und Entscheidungsmöglichkeiten sind ungleich verteilt. Wir lehnen den verbreiteten Entwicklungsgedanken, der grundsätzlich von einer Überlegenheit und Fortschrittlichkeit der Westlichen Welt ausgeht, ab.

Durch ihre unentgeltliche Arbeit leisten die Freiwilligen einen gesellschaftlichen Beitrag in sozialen, ökologischen und kulturellen Projekten. Sie engagieren sich dort, wo Hilfe gebraucht wird. Eine solche Freiwilligenpraxis ist ein erster Schritt in Richtung gleichwertiger Teilhabe. Durch die Zusammenarbeit mit Partnerstrukturen, die in den Entsendeländern eigenverantwortlich agieren, soll die Anwendung eines westlichen Blickwinkels bei der Auswahl der Freiwilligen sowie bei der Vor- und Nachbereitung ihres Aufenthalts vermieden werden.

Wir sehen uns in einem stetigen Prozess und werden immer wieder damit konfrontiert, dass wir als Verein nicht fernab von diesen Kontinuitäten der ungleichen Machtverteilungen denken und handeln können. Dieses Bewusstsein ist formgebend für unseren Anspruch an uns selbst als Zugvögel.

 

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