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Voluntourismus: Nur noch kurz die Welt retten? - Zugvögel - Grenzen überwinden e.V.

Urlaub machen in einem „exotischen“ Land und dabei gleichzeitig noch ein bisschen die Welt retten: so oder so ähnlich präsentieren sich viele Angebote des sogenannten „Voluntourismus“, eines Begriffs, der sich aus den beiden Wörtern „Volunteering“ und „Tourismus“ zusammensetzt. Die Kombination aus Urlaub und Freiwilligenarbeit mag für viele verlockend klingen und so wundert es auch nicht, dass Voluntourismus immer beliebter wird. Insbesondere Angebote kommerzieller Kurzzeit-Freiwilligendienste scheinen zu boomen. Junge Erwachsene aus dem globalen Norden reisen für einen meist sehr kurzen Zeitraum in Länder des globalen Südens, arbeiten in Projekten, in denen vermeintlich Hilfe gebraucht wird, und verbinden ihren Anspruch „Gutes zu tun“ praktischerweise noch damit, Urlaub zu machen.

Diese wachsende Beliebtheit haben wir Berliner Zugvögel als Anlass genommen, uns intensiver mit dem Thema Voluntourismus zu beschäftigen. Insbesondere hatten wir das Gefühl, dass Voluntourismus-Angebote oft zu unkritisch gesehen werden. Mit unserem Projekt wollen wir diesem etwas entgegensetzen.

Satirischer Flyer und ernsthafte Homepage

So entstand die Idee einen satirischen Flyer zu entwerfen, der die Werbung für Kurzzeit-Freiwilligendienste überspitzt darstellt. Auf dem Flyer präsentierten wir uns als das Unternehmen „Kolonialwelten“ und orientierten uns beim Design und den Argumenten am Werbematerial „renommierter“ Anbieter*innen von Kurzzeit-Freiwilligendiensten. Während wir unser Werbematerial später auch in Papierform verteilten, gibt es hier die digitale Variante des Flyers zu sehen.

kolonialwelten: der neue Feelgood Freiwilligendienst

Ganz bewusst wollten wir mit diesem Flyer Irritationen hervorrufen, ein Stück weit provozieren und aufdecken, dass beim Voluntourismus an erster Stelle der Lebenslauf profitiert und das eigene schlechte Gewissen gut beruhigt werden kann. In einem zweiten Schritt luden wir auf der Rückseite des Flyers ein, auf unserer eigens dafür eingerichteten Homepage www.nur-noch-kurz-die-welt-retten.org vorbeizuschauen. Im Gegensatz zum Flyer ist diese Homepage deutlich sachlicher und informativer. Unser Anspruch ist es verschiedene Seiten von Kurzzeit-Freiwilligendiensten zu beleuchten und vor allem zum Nachdenken und kritischen Hinterfragen anzuregen. Während unser Projekt internationale Freiwilligendienste an sich kritisiert und hinterfragt, richtet sich unsere Kritik ganz speziell an Anbieter*innen kommerzieller Kurzzeit-Freiwilligendienste.

Wichtig war und ist uns hierbei auch die Transparenz über unseren eigenen Hintergrund. Wir, also die am Projekt Beteiligten, haben größtenteils selbst einen Freiwilligendienst in einem Land in Afrika, Asien oder Lateinamerika gemacht. Keinesfalls fühlen wir uns in der Position, anderen zu einem Freiwilligendienst zu raten oder davon abzuraten, denn wenn wir ehrlich sind, haben wir selbst davon sehr profitiert. Gleichzeitig wollen wir dazu ermuntern, kritisch nachzudenken, innezuhalten und es an einigen Stellen vielleicht besser zu machen als wir damals.

Flyern und Stickern gegen Voluntourismus

Um mehr junge Menschen auf unsere Website aufmerksam zu machen, waren wir außerdem im Rahmen einer kleinen Guerilla-Aktion auf einer Jugendbildungs-Messe in Berlin mit unseren Flyern unterwegs. Unter dem Motto „Wege ins Ausland“ präsentieren sich auf solchen Messen u.a. verschiedenste Anbieter*innen von Kurzzeit-Freiwilligendiensten. Sie bieten angehenden Schulabsolvent*innen Inspiration, wie es nach der Schule weitergehen könnte. Natürlich durfte dort auch unser (fiktives) Unternehmen „Kolonialwelten“ nicht fehlen…

Kristina, fiktive kolonialwelten-Mitarbeiterin, auf der Jugendbildungsmesse

Der neueste Aspekt unseres Projekts zu Voluntourismus ist die Entwicklung von Stickern. In verschiedenen Städten Deutschlands hatten wir Sticker entdeckt, die offensiv für Voluntourismus-Angebote der größten studentischen Organisation AIESEC warben. Deren Sticker à la „ICH HAB BOCK AUF…6-8 Wochen Volunteering im Ausland“ entgegneten wir mit „ICH HAB KEIN BOCK auf…2-3 Wochen Kinder retten in Kambodscha für meinen Lebenslauf“(oder „ICH HAB KEIN BOCK AUF…6000kg CO2-Ausstoß für 5-6 Wochen Volunteering in einem Öko-Projekt in Peru!) und dem Hinweis auf unsere Website. Es ging nicht lange, bis AIESEC-Mitglieder sich bei uns meldeten. Wir sind im Austausch über unsere „Gegensticker“, einige E-Mails gingen schon hin und her und vielleicht schaffen wir es in den kommenden Wochen auch mal, unsere Ansichten über das Thema Voluntourismus bei einem echten Treffen auszutauschen!

Sticker: Ich hab (kein) Bock

Unser Projekt ist auf jeden Fall noch nicht am Ende und wir sind stets offen für neue Ideen. Wir freuen uns über Feedback, besonders auch über (konstruktive) Kritik und Ergänzungen/Tipps für Inhalte auf unserer Website.

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