Hiermit möchten wir auf ein Problem aufmerksam machen, das in letzter Zeit leider gehäuft immer wieder Menschen, die nach Deutschland reisen möchten, um im Kontext von internationalen Freiwilligendiensten aktiv zu sein, trifft: die aus unserer Sicht willkürliche Ausstellung von Visa.

Der konkrete Fall in diesem Jahr: Nachdem es bereits schwierig war, überhaupt einen Termin bei der Botschaft in Quito zu bekommen – leider eher Regelfall als Ausnahme bei der Beantragung eines Visums – wurde beim entsprechenden Termin von beiden Freiwilligen Antrag auf ein Jahresvisum zur Ausübung eines Bundesfreiwilligendienstes in Deutschland gestellt. Dieser Antrag war – logisch bei einer geplanten Einsatzzeit von zwölf Monaten – einer auf ein einjähriges nationales Visum für die Freiwilligen, die entsprechend benötigten Unterlagen waren beigelegt. Dennoch stellte die Botschaft in beiden Fällen nicht das einjährige, sondern nur ein Dreimonatsvisum aus, für einen einjährigen Freiwilligendienst natürlich unpassend.

Nun ließe sich das natürlich unter „ärgerlich, aber macht ja nichts“ abtun. Dann würden wir aber ignorieren, dass dies nicht nur unserem Verständnis von sinnvoller Vergabe von Visa widerspricht, sondern auch Mehrarbeit für unsere Ehrenamtlichen vor Ort bedeutet, die nun die Aufenthaltstitel der Freiwilligen bei den Ausländerbehörden in den jeweiligen Städten wiederum verlängern müssen. Ganz zu schweigen von der emotionalen Unsicherheit bei den betroffenen Freiwilligen, die bei Ausreise keinen klaren rechtlichen Status für die letzten neun Monate ihres zwölfmonatigen Aufenthalts besitzen (dies betrifft natürlich auch unsere Organisation bzw. die Gastfamilien und Einsatzstellen vor Ort). Noch konnten zwar die betroffenen Aufenthaltstitel stets verlängert werden, aber eine Garantie gibt es hierfür selbstverständlich nicht. Vor allem kleine Organisationen mit wenig Ressourcen, die sich für einen qualitativ sehr hochwertigen Freiwilligendienst mit enger pädagogischer Betreuung einsetzen, ist der geschilderte zusätzliche Aufwand eine große Belastung.

Hinzu kommt, dass der Fall in diesem Jahr nicht der erste dieser Art war, bei dem diese mutmaßlich „willkürliche Visumsvergabe“ Konsequenzen für die Arbeit unserer Organisation hatte: erst im letzten Jahr wurden bei zwei genau identisch eingereichten Anträgen zweier Freiwilliger von der ecuadorianischen Botschaft einmal ein zwölf Monate gültiges und einmal ein Dreimonatsvisum ausgestellt – mit Folgen für die Ausreise: so ließ die Airline die betroffene Freiwillige mit Dreimonatsvisum nicht fliegen, weil ihr Rückflugticket nicht innerhalb des Gültigkeitszeitraumes ihres Visums – drei Monaten – lag. Die Freiwillige konnte aus diesem Grund erst später zu ihrem Ankunfsseminar anreisen, verbunden mit enormen Mehrkosten, da ihr Flug storniert und neu gebucht werden musste. Zum Glück sprang in diesem Fall Engagement Global finanziell ein, aber die verpassten Seminartage und den organisatorischen Mehraufwand kann natürlich niemand ersetzen.

Drei Monate zuvor wurde zudem einem Mitglied unserer Partnerorganisation und ehemaligen Freiwilligen im weltwärts Süd-Nord-Austauschprogramm das Visum, das sie zum Besuch einer vom Qualitäts- und Interessensverbund ventao organisierten Partnerkonferenz im Rahmen des weltwärts Süd-Nord Programms beantragt hatte, verweigert, sodass sie nicht an der besagten Konferenz teilnehmen konnte. Bereits damals echauffierten wir uns öffentlich und forderten eine transparentere Visumsvergabe (https://zugvoegel.org/stellungnahme-visumsablehnung/).

Offensichtlich wurden wir nicht gehört, denn die willkürich anmutende Visumsvergabe in Ecuador scheint sich eher zu häufen, als dass sie transparenter würde. Wir fordern erneut: transparente Visumsvergabe, ein Einstehen für Versprechen der Bundesregierung, die die Teilnahme von Menschen aus aller Welt an Freiwilligendiensten in Deutschland „begrüßt und fördert“ (https://duschanbe.diplo.de/tj-de/service/05-VisaEinreise/-/1673388#content_1) und mehr Bewegungsfreiheit für alle!